Der LAK Feminismus erhält das Recht, Öffentlichkeitsarbeit zu machen.
Die Linksjugend [’solid] NRW organisiert und veranstaltet bis Ende 2026 mindestens eine Selbstverteidigungs-Veranstaltung für FLINTA* sowie ein Wochenende mit dem Themenschwerpunkt Transphobie in welchem sich, ähnlich wie bei der Konferenz für Frauen und TIN*, über die gesellschaftliche und innerverbandliche Lage von ATIN* Personen ausgetauscht werden kann. Dieses ATIN*-Wochenende ist antragsberechtigt.
Der Kapitalismus ist tief in der Krise. Von der Reaktion nach ’89 für endgültig siegreich erklärt, implodiert der liberale Kapitalismus jetzt unter seinen Widersprüchen.
Jahrzehntelange neoliberale, organisierte Unproduktivität zugunsten irrationaler Konkurrenz und Austerität haben zu einem Stocken des Wirtschaftswachstums geführt.
Gleichzeitig haben ehemalige Kolonien auf eine langfristige und nachhaltige Entwicklung gesetzt, und als Folge bröckelt nun die jahrhundertelang aufrechterhaltene Hegemonie des Westens.
Um noch irgendwie daran verzweifelt festzuhalten, wird nun aufgerüstet und Wirtschaftskrieg geführt, was das Zeug hält.
Überall zieht sich die Krise hindurch und bringt Widersprüche hervor, die nur nach einer sozialistischen Lösung schreien: Das vom Staat als dringend notwendig bezeichnete Personal für die Bundeswehr hat überhaupt gar keine Lust, eingezogen zu werden. Fast zwei Drittel der Jugendlichen lehnen die Wehrpflicht ab.
Die Produktivitätskrise und Deindustrialisierung, die hier in NRW ankommt, soll mit der unproduktivsten aller Waren gelöst werden: Waffen.
Es wird erzählt, die liberale Demokratie müsse um jeden Preis erhalten werden, was vor allem durch einen reaktionären, autoritären Staatsumbau und den Abbau sozialer und demokratischer Rechte geschieht.
Die Marktwirtschaft hat versagt, und es liegt nun an uns, die dringend nötige Sterbehilfe bereitzustellen und sie mit menschlichen, demokratischen und friedlichen, also sozialistischen Verhältnissen abzulösen.
Das Jahr 2025 war ein rasantes Jahr für die Linksjugend [‘solid] in NRW. Nachdem wir bereits im Jahr 2024 die Zahl der aktiven Basisgruppen stark steigern und den Landesverband deutlich stärken konnten, Stand für viele Strukturen der Jugendwahlkampf zur spontan vorgezogenen Bundestagswahl am Beginn des Jahres an. Die vorgezogene Wahl hat unsere Jahresplanung grundlegend durcheinandergeworfen, wir haben es aber in vielen Orten geschafft, schnell und kohärent auf diese Herausforderung zu reagieren.
Der Bundestagswahlkampf war, wie wir im Leitantrag von unserer Frühjahrs-LVV bereits umfassender ausgewertet haben, ein großer Erfolg: Das gute Wahlergebnis stand nicht allein. Sowohl die Partei Die Linke als auch wir als unabhängiger, aber parteinaher Jugendverband haben es geschafft, die erhöhte Aufmerksamkeit im Wahlkampf für die Popularisierung linker Positionen zu nutzen. Das Ergebnis war einerseits ein gutes Wahlergebnis, und andererseits – langfristig viel bedeutsamer – ein massives Wachstum sowohl von Partei als auch von Jugendverband.
Wie wir schon im Frühjahr benannt haben, war dieser Erfolg auch ein Erfolg der strategischen Linie, die wir als Landesverband schon länger verfolgen, die sich durch eine Fokussierung auf
Klassenpolitik, einer Öffentlichkeitsarbeit nah an Alltagsproblemen und eine klare Zuspitzung anhand von Klassenkonflikten auszeichnet.
Das große Wachstum unserer Strukturen ist eine historische Chance, bringt aber auch große Herausforderungen mit sich.
Strategisch Kurs halten und gemeinsame Praxis entwickeln
Als sozialistischer Jugendverband stellen wir die Klassenfrage in den Mittelpunkt unserer politischen Strategie. Nicht, weil Arbeiter:innen die Gruppe sind, die am meisten unter den Bedingungen im Kapitalismus leidet, sondern, weil die Arbeiter:innenklasse aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess die besten Möglichkeiten hat, diesem System konkret etwas entgegenzusetzen. Das Ziel sozialistischer Politik muss es deshalb sein, die durch verschiedene Arbeitsverhältnisse und Verhältnisse wie das Patriarchat und Rassismus gespaltenenArbeiter:innenklasse zusammenzuführen und Klassenmacht aufzubauen. Dafür braucht es eine massenpolitische Praxis, die darauf abzielt, Massenorganisationen aufzubauen, die weit über die linke Szene hinaus wirksam sind.
Deshalb knüpfen wir an die im Frühjahr beschlossenen Schwerpunkte in der nach außen gerichteten Arbeit – vorpolitische Angebote, solidarische Praxis, Stadtteilarbeit – an und entwickeln einen stärkeren Austausch darüber, wie diese Ansätze praktisch umsetzbar sind.
Debattenräume schaffen, Kontroversen angehen und
gemeinsame Positionen erarbeiten
Durch das große Wachstum kamen unglaublich viele neue Mitglieder und Basisgruppen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und politischen Schwerpunkten zu uns. In den letzten Monaten wurde deutlich, dass wir viele Debatten deshalb noch einmal eröffnen müssen, da es zu einigen Schlüsselfragen große Uneinigkeit gibt und es alte Strukturen und gängige Praktiken nochmal zu überdenken und zu verbessern gilt.
Wir sind uns einig darin, dass alle widerständigen Geschlechter von patriarchaler Unterdrückung betroffen sind. Diese Betroffenheit unterscheidet sich jedoch aufgrund von verschiedener, komplexer und durch mehrfacher Marginalisierung miteinander verflochtener Lebensrealitäten von Mensch zu Mensch und ist nicht einheitlich. Auch muss beachtet werden, dass die Lebensrealitäten von Betroffenen sich weder auf ihre äußere Gender-Expression, noch auf die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität angenommenen Position im Patriarchat, vereinfachen lässt. Gerade bei ATIN* Menschen aber auch rassifizierten FLINTA* ist dies komplexer zu betrachten.
Uneinigkeiten bestehen aber noch darin, wie wir daraus eine sinnvolle feministische Praxis erarbeiten können, anstatt uns an Differenzen aufzuhängen.
Darum bekennen wir uns klar zu einem materialistischen, intersektionalen Feminismus in Theorie wie auch Praxis und stellen uns gegen einen liberalen Feminismus, der uns
in unserem Kampf gegen das Patriarchat aufhält und spaltet. Daraus wollen wir eine weitreichende Strategie entwickeln, um das Patriarchat zu bekämpfen und die Emanzipation aller widerständigen Geschlechter zu ermöglichen.
Was erwarten wir von feministischen Schutzräumen und wie können wir diese am besten inklusiver gestalten? Wann ist der FLINTA* Sammelbegriff sinnvoll und wann müssen bestimmte, in dem Begriff enthaltene, Gruppen in Konversationen über konkrete patriarchale Unterdrückungserfahrungen hervorgehoben werden, um sinnvolle Differenzierung und Analyse zu ermöglichen? All das sind Fragen die bereits auf der Konferenz für Frauen und TIN* (Trans, Inter, Nichtbinär) angeschnitten worden und müssen auch in den nächsten Monaten weiter diskutiert werden. Konkret bedeutet das solidarische gemeinsame Räume für Debatten über feministische, aber auch antirassistische, Praxis zu etablieren, anstatt Betroffene gegeneinander auszuspielen.
Mit Sorge erfüllen uns stalinistische und reformistische Tendenzen im Verband. Aus den Erfolgen und Fehlern vergangener sozialistische Revolutionen zu lernen ist von größter Wichtigkeit. Denn nur so können wir uns erfolgreich in die Tradition alter Arbeiter:innenbewegungen einreihen und diese an die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse anpassen. Sozialistische und kommunistische Symbolik können verbinden und agitierend sein. Wir sind ein basisdemokratischer und pluralistischer Verband und
die Förderung dieser Werte ist uns wichtig, Antipluralismus stellen wir uns aktiv entgegen. Vielfalt zeichnet uns als sozialistischen Jugendverband aus!
Über diese Themenfelder hinaus wollen wir das nächste Jahr nutzen, um uns grundlegend strategisch zu verständigen und reflektieren. Konkrete Meinungsverschiedenheiten darüber, wie verschiedene Priorisierungsentscheidungen oder unterschiedliche Aktionsformen und Arten des Auftretens zu bewerten sind, ergeben sich aus unterschiedlichen Theorien des Wandels und der Macht. Wir wollen uns gemeinsam mit unseren verschiedenen strategischen Auffassungen und unterschiedlichen theoretischen Ansätzen, wie wir den Kapitalismus überwinden können, pluralistisch auseinandersetzen.
Um inhaltlich und strategisch gemeinsam Boden unter den Füßen zu gewinnen, wollen wir im kommenden Jahr einen umfassenden Programmprozess starten.
Ziel ist es, bei der Herbst-LVV 2026 ein neues Grundsatzprogramm zu verabschieden, das die aktuellen politischen Realitäten widerspiegelt und sich auch mit landespolitischen und mit jugendpolitischen Themen wie Ausbildung, BAföG oder Jugendbeteiligung befasst.
Der Prozess soll offen, lebendig und zum mitmachen gestaltet werden: Neben einem Redaktionsteam, das vom LSP:R benannt wird und den ersten Entwurf erarbeitet, sollen zentrale Debattenveranstaltungen sowie dezentrale Workshops in möglichst vielen Basisgruppen stattfinden. So wollen wir sicherstellen, dass alle Mitglieder die Möglichkeit haben, ihre Perspektiven einzubringen und gemeinsam programmatische wie strategische Positionen weiterzuentwickeln.
Auf diese Weise schaffen wir ein aktuelles, verbindendes Grundsatzprogramm – und stärken zugleich unsere gemeinsame politische Praxis.
Strukturelle Weiterentwicklung
Neben all diesen inhaltlichen Herausforderungen gibt es aufgrund des Wachstums auch strukturell viel zu tun. Wir wollen die Organisationskapazität im nächsten Jahr auch durch Hauptamtlichkeit weiter stärken und unsere finanzielle Lage wesentlich verbessern, was insbesondere die Schatzmeisterei vor große Aufgaben stellt.
Mit um die 50 Basisgruppen reicht die Landesebene als einziger Ort der Vernetzung nicht mehr aus. Daher wollen wir nächsten Jahr verschiedene Formen der Vernetzung auf und unterhalb der Landesebene, etwa die vielerorts entstehenden Landesarbeitskreise oder Regionalverbände, fördern und insbesondere letztere evaluieren, um am Ende des Jahres kohärentes, durchdachtes und praktisch erprobtes Strukturkonzept für den Landesverband zu haben.
In alledem sehen wir als notwendige Voraussetzung, Awarenessarbeit in der Breite der Basis währenddessen zu stärken und als nächsten und simultanen Schritt die Täter:innenarbeit auf Landesebene auszubauen.
An Erfolge anknüpfen
Bei all der Weiterentwicklung wollen wir an die Formate, die bereits seit Längerem gut laufen, anknüpfen und insbesondere unser landesverbandsübergreifendes Bildungswochenende in Gerolstein weiterführen.